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Untersuchungen zur genetischen Variabilität der Kärntner Brillenschafe
in Österreich
Doktorarbeit von Frau Dr. Katharina Schwend, Institut
für Tierzucht und Genetik an der Veterinärmedizinischen Universität
Wien
Das Kärntner Brillenschaf ist eine der gefährdeten Nutztierrassen
Österreichs. Es ist im Laufe des 19. Jahrhunderts in Kärnten
aus Kreuzungen der damaligen Landschafe mit italienischen Bergamasker-
und v.a. Paduanerschafen entstanden. Es war aufgrund seiner Größe
und seiner Robustheit ein sehr beliebtes Schaf und in weiten Teilen Österreichs
verbreitet. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden jährlich an die
30 000 Kärntner Schafe nach Frankreich und etwa 14 000 in die Schweiz
verkauft. Noch im Ersten Weltkrieg und in der Zeit danach schätzte
man diese Schafe aufgrund ihrer Größe und der hervorragenden
Schlachtleistung. Im Jahre 1939 kam es im Zuge der "Rassenbereinigung"
zu einer fast vollständigen Verdrängungskreuzung mit "reinweißen"
Bergschafen. In kleinen Beständen konnte sich das Kärntner Brillenschaf
jedoch vereinzelt halten und vor etwa 10 Jahren begann man mit der gezielten
Erhaltungszucht. Aus zunächst 17 weiblichen und sechs männlichen
Tieren hat sich der Bestand in Österreich heute auf über 1500
Brillenschafe vermehrt.
In Zusammenarbeit mit dem "Verein der Kärntner Brillenschafzüchter
Alpen-Adria" wurden 767 Brillenschafe mit 11 DNA-Mikrosatellitenmarkern
untersucht. Anhand dieser Daten wurde die genetische Diversität der
Kärntner Brillenschafpopulation bestimmt und mit der genetischen
Diversität anderer Schafrassen verglichen. Eine mittlere Anzahl an
Allelen pro Locus von 10,09 ± 2,95 und eine "gene diversity"
von 73 % zeigen keine Einschränkung der genetischen Variabilität
der heutigen Kärntner Brillenschafpopulation an. Die Variabilität
der Mikrosatellitenmarker wurde auch dazu genutzt, die Abstammungsangaben
im Herdebuch zu überprüfen. Alle 11 Marker kombiniert ergaben
eine Ausschlusswahrscheinlichkeit von über 99 %. Von insgesamt 668
Abstammungsangaben, die kontrolliert waren, mussten 17,62 % der Böcke
und 18,40 % der Mutterschafe von der Elternschaft ausgeschlossen werden.
Ein weiteres Ziel war es, die genetische Differenzierung der Kärntner
Brillenschafe gegenüber anderen Schafrassen zu untersuchen. Dabei
stellte sich heraus, dass die untersuchten vier Schafrassen Kärntner
Brillenschaf, Bergschaf, Villnößer Schaf und Texelschaf durchaus
genetisch differenzierte Populationen darstellen, der Grad der Differenzierung
jedoch als mäßig zu bewerten ist. Das Kärntner Brillenschaf
steht genetisch den Villnößer Schafen am nächsten und
die Texelschafe sind, wie erwartet, von den drei alpinen Rassen am weitesten
distanziert. Für die Zuordnung eines unbekannten Tieres zu seiner
Ursprungsrasse anhand des Genotyps erwiesen sich diese 11 Marker für
die vier untersuchten Rassen als unzulänglich. Auch der sichere Nachweis
eines Kreuzungstieres zwischen den Rassen war nicht möglich.
Die
gesamte Doktorarbeit zum Downloaden als PDF-Datei
Weitere 60 Tiere werden nun im Rahmen des Projektes "Genetische
Charakterisierung und Differenzierung von Schafrassen im Ostalpenraum"
mit 25 DNA-Mikrosatellitenmarkern untersucht.
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